Australien

Reisetagebuch Oktober 2005

Über unsere rund vierwöchige Reise durch Australien gibt es eine Menge zu erzählen. Vorerst begnüge ich mich damit, ein paar der wunderschönen Fotos zu präsentieren, die ich in Down Under machen konnte. Ich wünsche euch mindestens soviel Freude beim Betrachten der Bilder, wie ich beim Fotografieren hatte!

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Sydney hat einen sehr originellen Zoo. Es ist ohnehin zu empfehlen, ihn zu besuchen, denn leider kann man zumindest die sehr scheuen Koalas in freier Wildbahn nur schwer beobachten - es sei denn, man macht speziell geführte Touren. Aber auch ganz abgesehen davon bietet der Zoo manch witzigen Hingucker. So zum Beispiel die Giraffen in ihrem Gehege, dessen Ausblick mich massiv an den Comic-Film "Madagascar" erinnerte.
Koalas sind entgegen der landläufigen Meinung keine Bären (auch wenn sie noch so putzig aussehen), sondern Beuteltiere. Ihre Jungen halten sich nach der Geburt noch lange in diesem Beutel auf. Das Wort "Koala" bedeutet in der Sprache der Aborigines (der Ureinwohner Australiens) "Trinkt nicht". Und tatsächlich decken die Koalas ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf über ihre Nahrung Eukalyptusblätter. Sie benehmen sich etwas touristenunfreundlich, da sie die meiste Zeit des Tages schlafend im Baum liegen. Ab und zu nur blinzelt dich einer träge an. Sie säen nicht und ernten nicht, und Gott ernährt sie doch... ;o)

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Sydney ist zu allen Tageszeiten eine wunderbare, warme, leichtlebige Stadt. Aber natürlich ist auch sie, wie viele andere Städte der Welt, bei Nacht ein besonderes Erlebnis. Da es im Oktober (also im Frühling) noch relativ früh stockfinster wird,
sind Nachtaufnahmen sehr leicht realisierbar. Die Harbour Bridge ist direkt von der berühmten Oper aus sehr schön einzufangen. Und für einen schicken Blick auf die Skyline wandert man einfach ein Stück entlang der Bucht.

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Ein Spaziergang durch die "Rocks", das historische Viertel Sydneys, bei Dämmerung kann sehr romantisch sein. Und wer es etwas krachiger mag, geht lieber in der Rushhour durch das Zentrum. Meine Eltern behaupten übrigens, den besten Cappuccino der Stadt hätten sie im Victoria-Building getrunken. (Damit in diesem Reisebericht auch mal eine Information steht, mit der andere Touristen was anfangen können.)

Die Harbour Bridge in Nahaufnahme. Eine Gruppe von "Brückentouristen" ist auf dem Weg nach oben. Leider ist so ein Ausflug sehr teuer. Von den Pfeilern ist die Aussicht auf die Stadt aber auch sehr gut, und die Gebühr für diese Aussichtsplattform ist relativ gering. Außerdem kann man im Pfeiler auch eine Ausstellung über den Brückenbau und ihre Geschichte besuchen.

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Da kraxeln sie (auf der rechten Seite der Brücke). Sieht von der Aussichtsplattform des Pfeilers gar nicht so anstrengend aus. Doch Vorsicht! Die Passage soll sehr anspruchsvoll sein. Und - wie gesagt - sie ist auch extrem teuer. Da lohnt sich für die friedlicheren Gemüter auch ein Ausflug per Boot. Rechts die Harbour Bridge und die Silhouette der Oper in einer Gegenlichtaufnahme.

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Die viel besungenen "Blue Mountains" (die "Blauen Berge") sind ein beliebtes Ausflugsziel der Sydneysider, denn sie liegen nur etwa zwei Bahnstunden entfernt vor den Toren der Stadt. Sie sind so eine Art überdimensionales Elbsandsteingebirge, nur dass die Elbe ganz weit weg ist und die Blue Mountains geringfügig größer sind. Ihren Namen verdanken sie dem sanften bläulichen Schimmer, der an warmen Tagen durch verdunstendes Öl aus Eukalyptusblättern entsteht.
Ein von Touristen viel besuchter Ort ist das hübsche Leura. Auch wenn es - deutsch ausgesprochen - so klingt, als sei es ein Vorort von Bitterfeld (wie kommt das? Ah ja, die Leuna-Werke) - der Ausflug lohnt sich. Auch, um mal wieder ein paar
deutschen Touristen zu begegnen. ;o)

Unsere nächste Station ist nach einem Flug von Sydney nach Alice Springs das "Rote Zentrum", genau 14102 Kilometer von Berlin entfernt. ;o) Die Stadt entstand, als auf der telegrafischen "Verkabelung" der Ost- mit der Westküste Australiens eine Station sozusagen in der Mitte gebraucht wurde. Sie wurde nach der Frau des Projektchefs "Alice" genannt, zu dem
sich dann aufgrund einer nahe gelegenen "Quelle" (die eigentlich keine ist) auch noch ein "Springs" gesellte. Alice Springs unterscheidet sich in der Optik nicht sonderlich von anderen australischen Städten (Autohaus, Tankstelle, Supermarkt, Tankstelle, Supermarkt, Autohaus, Tankstelle - und so weiter, hinzu kommen ein paar Hotels). Aber wer hier wohnt, ist tausende Kilometer von der nächsten größeren Stadt und den Küsten entfernt. Wie man das aushält, weiß ich nicht. Auch das Klima ist nichts für schwache Gemüter. Aber es gibt für den staunenden Touristen im Umkreis von etwa 500 Kilometern Gigantisches zu entdecken.

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Ach was. Das ist nicht gigantisch genug? Na, dann schaut mal genau hin. Wer, welcher lebenden Gattung er sich auch immer zuzählen mag, fähig ist, die Bedingungen im Outback zu überleben, ist ein Gigant. Kamele und Dromedare laufen übrigens in ganzen Herden durch die australische Steppe. Das liegt daran, dass diese Tiere früher gezüchtet und sogar ins Ausland exportiert wurden. Irgendwann florierte das Geschäft dann nicht mehr, und die Herden wurden kurzerhand ausgewildert. Die fühlen sich in der Gegend auch pudelwohl. Hie und da gibt es noch vereinzelte Kamelfarmen. Die dienen aber in erster Linie als Touristenattraktion.
Weniger oft sieht man - erstaunlicherweise - Kängurus. Eigentlich waren die meisten Exemplare, die ich aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen habe, mental schon im Känguruhimmel. Eins lag zum Teil auf meinem Teller, und die anderen am Straßenrand. Es passiert bedauerlicherweise recht oft, dass die putzigen Viecher überfahren werden. Nachts, wenn es auch im heißen Outback recht kühl werden kann, legen sich die Tiere gern auf die von der Sonne aufgeheizte Straße. Wenn dann die berühmten Roadtrains (LKW mit zwei oder mehr Anhängern, gewaltige Dinger) angeplauzt kommen, ist es oft um die Kängurus geschehen. Denn, so erklärte uns ein Einheimischer: Die bremsen nicht mal für Touristen. Wäre einfach nicht machbar. ;o)
So hatte ich beim Verzehr meines Känguru-Bratens in einem Restaurant in Alice Springs eigentlich fast ein schlechtes Gewissen. Ich geh mal davon aus, dass der NICHT von der Straße abgekratzt wurde. Hat jedenfalls sehr gut geschmeckt - vergleichbar mit deutschem Wild, annähernd natürlich nur.

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Aaaaaah. Jaaaaaaaaaaaa! Da ist er, in seiner ganzen faszinierenden Pracht. Der Ayers Rock, oder Uluru, wie er in der Sprache der Aborigines heißt. Der Uluru ist für sie ein heiliger Berg, und wenn man so davor steht und ihn im Sonnenuntergang betrachtet, kann man sich seiner Faszination nicht entziehen. Das gesamte Gebiet im Zentrum "gehört" den Aborigines, aber die australische Regierung hat es für zunächst 100 Jahre gepachtet.

Alles in allem steckt man hier als Tourist ein bisschen in der Zwickmühle. Einerseits ist es durchaus verständlich, dass die Besitzer des Landes, also die Aborigines, die ja die ersten Bewohner waren, den Touristenstrom streng reglementieren.

Immerhin haben sie nicht gerade die besten Erfahrungen mit den hellhäutigen Menschenmassen gemacht (zumal die ersten weißen Siedler britische Sträflinge waren). So ist man, will man die Wunder des Outbacks kennen lernen, auf professionelle Reiseveranstalter angewiesen. Fährt man auf eigene Faust, um beispielsweise den Sonnenaufgang am Uluru zu genießen, nützt einem das recht wenig, denn man muss sich auf den gleichen Fleck stellen, auf dem auch die anderen 1000 Touristen stehen.
So werden vor den roten Felsen alle gleich, ob sie nun individuell oder pauschal unterwegs sind. Natürlich sind diese Reglements dazu da, die Natur und die Kultur der Bewohner zu schützen. Andererseits hat man so auch beim besten Willen keine Chance, die Kultur der Aborigines wirklich kennen zu lernen. Selbstverständlich gibt es Zentren, in denen sie in schönen Ausstellungen und Vorführungen ihre Lebenswelt zu vermitteln suchen. Aber dort sieht man eben nur,
was man sehen soll, und das sind in erster Linie Klischees. Am nächsten kommt man ihren Geheimnissen vermutlich bei Touren durch das Outback, die von Aborigines selbst geführt werden. Das ist in jedem Fall vernünftiger als der Unfug, den unverbesserliche Touristen immer wieder machen, nämlich, den Uluru zu ersteigen. Alle Reiseführer weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Aborigines das nicht gern sehen und man es deshalb doch einfach lassen sollte. Zum einen, weil der Uluru heilig für sie ist (das wäre also eine Frage des Respekts), und zum anderen, weil sie sich für alles, was auf und um ihn passiert, verantwortlich fühlen. Auch für den Tod von Touristen, von denen regelmäßig welche absegeln, weil sie die schwierige Passage unterschätzen (das wäre eine Frage der Vernunft). Und obwohl dieser doch so einfache Sachverhalt in allen Sprachen der Welt von allen Reiseführern gepredigt wird, keuchen jeden Tag hunderte von "Ameisen" (so werden sie von den Aborigines spöttisch genannt) den Berg hinauf und wieder runter. Denen ist nicht zu helfen. Und dass diese Leute nicht dazu beitragen, das Verhältnis zwischen Einwohnern und Touristen zu verbessern, dürfte jedem klar sein.

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Genug gemeckert. Genießen wir lieber noch ein wenig die wildromantische Natur des Outback. Rechts meine unerschrockenen Eltern - die passen ganz gut zur Landschaft alle beide, unter der roten (Morgen)Sonne Australiens.

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Hier haben wir einen für Touristen geschaffenen "Traumpfad" beschritten. Was der Junge mit dem Didgeridoo anstellte, war absolut hörenswert. Beim Bumerang-Werfen hab ich mich gar nicht so dumm angestellt, man darf vor lauter Begeisterung über das kraftvoll seine Kreise ziehende Wurfgeschoss nur nicht vergessen, rechtzeitig in Deckung zu gehen, denn wenn man's richtig macht, kommt der Bursche tatsächlich zurück.

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Wieder ein etwa zweistündiger Flug, und wir sind in Cairns an der Ostküste. Von hier aus werden wir jetzt mit dem Wohnmobil in knapp zwei Wochen an der Küste entlang bis Brisbane fahren. Australienkenner werden spätestens jetzt monieren, dass das alles ja "die absolute Touri-Strecke" sei. Ja, bitteschön, es ist die absolute Touri-Strecke. Aber das ist sie ja nicht ohne Grund.

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Wir beginnen mit den Essgewohnheiten der... Touris. ;o) Ich muss gestehen, dass mich diese wunderhübsch von bayerischen Rauten umkränzte Speisekarte massiv fasziniert hat. Vor allem die Kombination: "Weißwurst, Bockwurst, Emu, Krokodil" fand ich sehr bizarr. Nun ist man ja als Wohnmobil-Besitzer nicht immer auf Restaurants angewiesen. Und es hat den Vorteil, dass man das Müsli, das keiner mehr essen will, an das freudig herbeigeeilte Federvieh verfüttern kann. Die bunten Vöglein sind genauso zahlreich und aufdringlich wie hierzulande die Spatzen. Was fürs Auge.
Sehr zu empfehlen ist eine Regenwald-Tour mit der Seilbahn von Cairns aus nach Kuranda und von dort zurück mit der historischen Eisenbahn.

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Nun folgt eines der Highlights der Reise - das Schnorcheln im Korallenriff. Dazu kann man eigentlich nichts sagen, weil die Eindrücke, die man dabei sammelt, unbeschreiblich sind. Ich war so fasziniert, dass ich auf der Stelle 25 Dollar für eine Einmal-Unterwasserkamera ausgegeben habe. Ein Wucherpreis. Dazu geben die Fotos noch nicht einmal ansatzweise wieder, was einen da unter Wasser umkreucht und umfleucht. Aber trotz all dem hat es sich gelohnt. Das Great Barrier Reef ist ein Paradies. Man gleitet in den lauwarmen Fluten, sieht unter sich die bizarren Korallenformationen entlang schweben und wird neugierig von einem Schwarm kleiner bunter Fische angeknabbert (nein, keine Piranhas).

Für die Fahrt zum Riff per Katamaran sollte man einigermaßen seetauglich sein. Wir hatten leider einen Trip erwischt, auf dem es richtig VIELEN Leuten RICHTIG schlecht wurde. Man musste schon vom Zusehen und Hinhören fast... naja.
Die Crew konnte einem leid tun. Da hilft nur: Unbedingt an der frischen Luft bleiben und vielleicht auch vorbeugend einen Anti-Übelkeits-Kaugummi zu sich nehmen.

Drei Fische Noch mehr Fische

Ebenfalls sehr beeindruckend war der Tagesausflug nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt. Mit Allrad-Bussen fährt man durch Regenwald und über den Strand. Hier wird es gerade ungemütlich - ein Unwetter zieht auf. Schwarz wie die Nacht, bedrohlich - und absolut faszinierend.

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Brisbane, immerhin die drittgrößte Stadt Australiens, wartet mit einem faszinierenden Mix aus alter (oder was man hier "alt" nennt) und moderner Architektur auf. Ein paar Tage Aufenthalt lohnen hier durchaus.

Noch ein Wort zu den Fotos: Sie haben hier auf den Seiten nicht die beste Qualität. Sie wurden vom Dia eingescannt, was leider mit einem enormen Qualitätsverlust verbunden ist. Die Auflösung habe ich wegen der Ladezeiten bei vielen Bildern möglichst klein gehalten.

Text und Fotos: Dorit Töpler